Wunderöl Argan

Im Jahr 1998 erklärte die UNESCO ein rund 820.000 Hektar großes Gebiet im Südwesten Marokkos zum Biosphärenreservat. Damit stehen dort heute 20 Millionen Arganbäume unter Schutz. 

 

Glücklicherweise, denn mit ihnen wäre ein großer Schatz von dieser Erde verschwunden, das wertvolle Arganöl.

Seit ungefähr 80 Millionen Jahren wächst der widerstandsfähige Baum ausschließlich in dieser Region. Er kann bis zu 450 Jahre alt werden – wenn man ihn lässt. Sein großer Nutzen als Bau- und Brennholz oder Viehfutter hat ihn fast an den Rand des Aussterbens gebracht. Sein Öl hat ihm möglicherweise das Überleben gesichert. Seit Jahrtausenden verleiht sein Geschmack Brot, Couscous, Salaten und anderen klassischen marokkanischen Gerichten eine besondere, nussige Würze. Fast ebenso lange wird es von den Marokkanern als Schönheitspflege für Haut und Haare verwendet. Seit den 1980er Jahren ist das Arganöl Bestandteil in vielen Kosmetikprodukten und erobert seitdem auch als Naturöl weltweit die Kosmetikmärkte.

Die traditionelle Ölherstellung ist seit jeher eine Kunst der Berberfrauen. Im November 2014 wurden diese traditionellen Kenntnisse und Praktiken zur Nutzung des Baumes und seiner Früchte als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Wie schon ihre Vorfahren gewinnen die Frauen das Öl aus den Beerenfrüchten. Doch heute sind sie in Kooperativen organisiert und können so von dem Erlös ihren Lebensunterhalt bestreiten und den sozialen Status verbessern. 

Dem goldenen Öl aus dem „Baum des Lebens“, wie die Berber den Arganbaum nennen, werden wahre Wunder nachgesagt. Nicht alle treffen zu, jedoch besitzt es wie alle Pflanzenöle viele ungesättigten Fettsäuren und einen hohen Anteil an Antioxidantien. Viel Vitamin E strafft die Haut, macht sie geschmeidig und lässt sie frischer aussehen. Phytosterole wirken hautpflegend und spenden wertvolle Feuchtigkeit. Die Inhaltsstoffe des Öls pflegen auch das Haar. Sie machen sprödes, trockenes Haar wieder geschmeidig und verleihen ihm Vitalität, das Haarwachstum soll ebenfalls gefördert werden. 

Es scheint, als sei das Öl so teuer, weil es weltweit den Ruf als Anti-Aging-Wunderwaffe hat. Immerhin kostet ein Liter bis zu 120 Euro. Doch das allein ist nicht der Grund für den hohen Preis. Schließlich ist die Wachstumsregion des Arganbaums sehr klein. Es gibt daher nur verhältnismäßig wenige Exemplare. Die Ernte der ölhaltigen Früchte ist nur alle zwei Jahre möglich und wegen der Dornen, mit denen der Baum sich schützt, sehr aufwändig. Der Ertrag eines durchschnittlichen Arganbaumes liegt bei ungefähr 30 Kilogramm Früchten. Das ergibt gerade einmal einen Liter Öl. 

Die Früchte werden von den Berberinnen aufgeschlagen, die Argankerne im Feuer geröstet und dann gemahlen. Nach und nach entsteht durch die Zugabe von Wasser ein dicker Brei. Nach ungefähr 20 Arbeitsstunden wird daraus das Öl gepresst. Selbstverständlich gibt es auch moderne Herstellungsverfahren, doch die herkömmliche, traditionelle Produktion sichert die Existenz vieler Familien und wird daher bevorzugt.

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