Wohntrend wohlig

Hygge, schon mal gehört? Nein? Dann wird es aber Zeit!

Hygge, das dänische Wort für gemütlich, angenehm und nett, bezeichnet einen ganz besonderen Lebensstil, der aktuell weltweit viele Anhänger findet. 

Alles begann damit, dass Dänemark im jährlich erscheinenden World Happiness Report als das Land mit den glücklichsten Menschen genannt wurde. Daraufhin verrieten dänische Autoren – allen voran Meik Wiking, der wohl das erfolgreichste Buch zum Thema geschrieben hat – was die Dänen so glücklich macht: „Hygge“. Seitdem verbreitet sich das Geheimnis der skandinavischen Lebensphilosophie zunächst in Großbritannien und den USA und dann besonders über die sozialen Netzwerke im Rest der Welt. 

Hygge heißt vom Alltagsstress Abstand nehmen, entschleunigen, sich auf das Wesentliche reduzieren. In der Freizeit dreht sich alles um Familie und Freunde, Natur und das eigene Zuhause. Vertrauen, Sicherheit, Behaglichkeit, Wärme und, ja, auch der Genuss ohne Reue – das ist Hygge. Kritiker mäkeln dieser neue Trend sei ein Garant für Langeweile – aus der ja bekanntlich nicht viel Gutes entsteht – und ein Mittel zum Zweck, sich der furchterregenden Realität der Nachrichten über Attentate, Pleiten und Konflikte zu entziehen. Ganz böse Zungen behaupten sogar das Thema würde von Herstellern dänischer Designmöbel forciert, um den Verkauf zu fördern. Dem echten Hygger dürfte diese Diskussion jedoch egal sein, denn es ist so gar nicht hygge, sich darüber aufzuregen. Es entspräche auch gar nicht der Philosophie, diesen Lebensstil dogmatisch zu sehen.

Neben gemeinsamen Aktivitäten in der freien Natur, findet das Lebenskonzept vor allem in den eigenen vier Wänden statt. Freunde werden eingeladen, alle sitzen gemeinsam um den großen hölzernen Esstisch und essen, was gemeinsam gekocht wurde. Eine gute Flasche Wein gehört auch dazu. Warmes Licht und natürliche Materialien der Möbel und Dekoration erzeugen eine gemütliche, heimelige Atmosphäre. Diese müssen durchaus nicht gekauft werden, denn auch das Do-it-Yourself passt in die Hygge-Philosophie. Historiker überkommt jetzt so langsam das Gefühl: Das war schon mal da. Stimmt, die Epoche zwischen 1815 und 1848, die kulturgeschichtlich als Biedermeierzeit definiert wird. Nach Napoleons Kriegen gab es in den deutschen Landen eine gesellschaftliche Ruhephase. Eine behagliche Wohnkultur und private Gemütlichkeit prägten die Zeit. Der Lebensstil spiegelte sich schnell auch in der Innenarchitektur, der Mode, der Kunst und der Literatur der Zeit wider. Hygge ist also nichts Neues, sondern wohl eher ein gesellschaftliches Phänomen in oder nach stürmischen Zeiten.

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