Kolumne: Hacklakütt mit Eiweiß

Also in meiner Kindheit war das so: Meine Mutter hat etwas gekocht und die Familie hat es dann gegessen. Das Beste was dabei passieren konnte war Hühnerfrikassee mit Reis, das Schlimmste Dicke Bohnen mit Mettwurst und Kartoffeln.

Aber egal was es war, es wurde gegessen – natürlich gelegentlich mit langem Gesicht und manchmal auch mit Hängen und Würgen, aber eine Alternative war nicht in Sicht. „So lange du deine Füße unter meinen Tisch ...“ – man kennt das. Geschadet hat es indes nicht. Im Gegenteil, es sorgt sogar für einige recht lebendige Erinnerungen. Etwa die, dass mein Bruder und ich – in der bösen Ahnung es könne eventuell Rosenkohl oder Rote Beete geben – uns stets schon recht früh am Tag nach dem Abendessen erkundigten. Plante die Küchenchefin etwas, von dem sie sich Gemurre erwartete, pflegte sie „Hacklakütt mit Eiweiss“ anzukündigen. Das hat uns Kinder natürlich zutiefst beunruhigt, denn es konnte sowohl ein halbwegs leckeres Grünkohl-Gericht als auch das Horror-Szenario „Dicke Bohnen“ bedeuten.

Heute ist das alles kaum noch denkbar. Meine Kinder verweigern die Nahrungsaufnahme, sortieren rigoros aus und sitzen Strafandrohungen stur aus, sobald es wahlweise etwas Unbekanntes oder ihrer Meinung nach Ungenießbares gibt. Und damit bin ich noch gut bedient. Befreundete Eltern berichten von Kindern, die ausschließlich Kartoffeln und Weißbrot essen, im zarten Alter von fünf schon Vegetarier mit Laktose-Intoleranz sind oder nachts aufstehen, um den Süßigkeiten-Schrank zu plündern oder den leckeren Hustensaft auszutrinken.

Natürlich haben auch meine Kinder die „Was gibt’s heute?“-Leier und das ablehnende Augenrollen drauf, und in einem genervten Moment zwischen Schnibbeln, Brutscheln und Zu-heiß-abschmecken griff ich neulich zum mütterlichen Trick und kündigte „Hacklakütt mit Eiweiss“ an. Dämlicherweise kochte ich da gerade Spaghetti Bolognese, womit ich den Trick für alle Ewigkeit seines kompletten Drohpotenzials beraubte. Meine Kinder freuen sich jetzt immer auf Hacklakütt mit Eiweiss. Hoffentlich wird das während des Ferienaufenthaltes bei Oma nicht zum Problem.

Autor: Jens Büttner

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